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Interview: Floorball-Schiedsrichterduo Jannik & Ben 2026-02-27

Interview mit dem Floorball-Schiedsrichterduo Jannik & Ben

Floorball zu leiten bedeutet Kommunikation, Präsenz und kontinuierliche Weiterentwicklung. Wir haben mit dem deutschen Schiedsrichterduo Jannik und Ben darüber gesprochen, wie sie begonnen haben, wie sie zu einem Team wurden und was sie aus ihrem internationalen Austausch in Finnland gelernt haben.

Die ersten Schritte als Schiedsrichter

– Wie hat eure Reise als Schiedsrichter begonnen?

"Ben kam erstmals durch seinen ehemaligen Trainer und andere Vereinsmitglieder, die bereits Schiedsrichter auf höchstem Niveau in Deutschland waren, mit dem Schiedsrichterwesen in Kontakt. Anfangs faszinierte ihn vor allem die Möglichkeit, die andere Seite des Floorballs kennenzulernen. Seine anfängliche Motivation war es einfach, etwas Neues zu lernen und sich persönlich weiterzuentwickeln. Mit der Zeit erkannte er, dass das Schiedsrichtersein sehr gut zu seiner Persönlichkeit passt: Er hat ein starkes Gerechtigkeitsempfinden, arbeitet gerne mit Menschen und tritt gerne mit ihnen in Kontakt. Besonders die Kommunikation, das schnelle Treffen von Entscheidungen und das selbstbewusste Erklären dieser Entscheidungen im Anschluss sind Aspekte der Rolle, die ihm am meisten Freude bereiten und ihn bis heute motivieren.

Jannik absolvierte seinen ersten Schiedsrichterlehrgang im Alter von 15 Jahren. Damals war es in seinem Verein üblich, dass Spieler dieses Alters mindestens einmal einen Lehrgang besuchten. In den folgenden Jahren verlängerte er regelmäßig seine Lizenz, zunächst ohne größere Ambitionen. Sein ernsthaftes Interesse, das Schiedsrichterwesen intensiver zu verfolgen, entwickelte sich erst einige Jahre später, als er erstmals Spiele im Erwachsenenbereich leitete. Diese Spiele waren deutlich schneller, körperbetonter und emotionaler — genau das sprach ihn an. Von diesem Moment an setzte er sich das Ziel, sich Schritt für Schritt zu verbessern, höhere Lizenzen zu erwerben und sich athletisch weiterzuentwickeln. Schließlich wurde er ermutigt, den Schritt auf die nationale Ebene zu gehen, und aus einer zunächst beiläufigen Tätigkeit entwickelte sich nach und nach ein klarer sportlicher Weg."

Der Weg zum Schiedsrichterduo

– Wie seid ihr ein Schiedsrichterteam geworden?

"Unser gemeinsamer Weg war alles andere als typisch. Wir kannten uns vorher kaum und standen nur gelegentlich als Gegner auf dem Feld. Letztendlich waren es gemeinsame Schiedsrichterkollegen und Freunde, die uns zusammenbrachten. Sie erkannten, dass wir sehr ähnliche Ziele, eine vergleichbare Motivation und vor allem großes Potenzial hatten. Also beschlossen sie, es einfach auszuprobieren und uns als Duo zusammenzustellen — im Grunde ein kleines Experiment, ohne Gewissheit, wie es sich entwickeln würde.

Rückblickend können wir sagen, dass dieses Experiment ein voller Erfolg war. Bereits in unserer ersten gemeinsamen Saison wurden wir für das Final4, das größte Floorball-Event Deutschlands, nominiert, und wir hatten zudem die Möglichkeit, das Finale der Deutschen Frauenmeisterschaft zu leiten — eine Erfahrung, die uns als Team enorm gestärkt hat.

Von Beginn an merkten wir, wie gut wir nicht nur auf dem Feld, sondern auch persönlich harmonierten. Unser Humor, unser Verständnis von richtig und falsch sowie unsere gemeinsame Leidenschaft für den Sport und das Schiedsrichterwesen passten von Anfang an zusammen. Auch unsere Ziele waren von Tag eins an deckungsgleich: uns kontinuierlich zu verbessern, das höchstmögliche Niveau zu erreichen und hoffentlich eines Tages international zu pfeifen.

Etwa sechs Wochen vor unserem ersten gemeinsamen Spiel standen wir bereits über WhatsApp in Kontakt und stellten fest, dass wir nicht nur persönlich gut miteinander auskamen, sondern auch sehr ähnliche Vorstellungen von unserer Entwicklung hatten. Nach unseren ersten Einsätzen investierten wir viel Zeit in die Analyse unserer Leistungen, um unsere Positionierung, unsere Linie, Kommunikation, Signale und unser gesamtes Auftreten besser aufeinander abzustimmen. In dieser Phase wurde immer deutlicher, wie gut wir uns sowohl fachlich als auch persönlich ergänzten. Sehr schnell entwickelte sich bei uns das Gefühl, langfristig als Duo zusammenarbeiten zu wollen — eine Entscheidung, die wir nie bereut haben."

Aktuelle Entwicklung und gemeinsame Ziele

– Wie würdet ihr eure aktuelle Entwicklung und eure Ziele als Duo beschreiben?

In unserer ersten gemeinsamen Saison — Janniks erster auf nationaler Ebene und Bens zweiter — haben wir aus unserer Sicht sehr positive Fortschritte gemacht. Auch dank der Unterstützung unserer Mentoren erlebten wir eine steile Lernkurve. Teams geben uns häufig positives Feedback zu unserer Kommunikation und unserer aktiven Präsenz auf dem Feld. Unser Auftreten als Duo wird ebenfalls oft als sehr konstant und harmonisch beschrieben. Wenn einer von uns alleine pfeift, fragen Teams oder Zuschauer häufig nach dem Partner, und unser höfliches, respektvolles und freundliches Auftreten wird regelmäßig hervorgehoben.

Gleichzeitig sehen wir klar weiteres Verbesserungspotenzial. Insbesondere möchten wir unsere Stick-Line-Positionierung weiter verfeinern. Außerdem fehlt uns noch Erfahrung in extrem schnellen Spielen oder in besonderen, sehr emotionalen Spielsituationen, in denen wir künftig noch souveräner reagieren möchten. Viele entscheidende Verbesserungen liegen unserer Meinung nach in kleinen Details — etwa im Feinschliff der Kommunikation, der Körpersprache oder im situationsbezogenen Lesen des Spiels. Diese Fähigkeiten entwickeln sich hauptsächlich durch Erfahrung, die wir in den kommenden Jahren gezielt sammeln wollen. Unser gemeinsames Ziel ist es, uns Schritt für Schritt weiterzuentwickeln und langfristig das internationale Niveau zu erreichen — mit dem klaren Traum, eines Tages IFF-Wettbewerbe zu leiten.

Internationaler Austausch in Finnland

– Ihr habt kürzlich an einem Austausch in Finnland teilgenommen. Wie war diese Erfahrung?

Ein wichtiger Meilenstein für uns war der internationale Austausch in Finnland Anfang November während unserer zweiten gemeinsamen Saison. Innerhalb von drei Tagen leiteten wir insgesamt sieben Spiele, darunter zwei U19-Cup-Spiele sowie Begegnungen in der vierten und fünften Liga.

Für Ben waren zwei Aspekte besonders eindrucksvoll. Erstens war er beeindruckt davon, wie intelligent und technisch die Spieler agierten. Anweisungen der Schiedsrichter werden schnell umgesetzt, und die Spieler gehen sowohl mit Schläger als auch mit dem Körper sehr kontrolliert um. Zweitens war das Spiel in Finnlands höchster Liga ein besonderes Highlight — nicht nur wegen des Tempos, der Physis und der technischen Qualität, sondern auch wegen der Möglichkeit, die beiden Schiedsrichter kennenzulernen, sich auszutauschen und Fragen zu stellen.

Für uns als Duo waren insbesondere das Drittligaspiel am Samstagnachmittag und das U19-Cup-Spiel am Sonntag beeindruckend. Diese Spiele zeigten uns das hohe technische Niveau, auf dem selbst junge Teams bereits spielen, und wie stark ihr Zusammenspiel mit dem Ball ist. Dieses Niveau hautnah zu erleben, machte uns bewusst, wie weit der Sport in anderen Ländern entwickelt ist. Wir konnten diese Eindrücke und Erfahrungen direkt für unsere eigene Weiterentwicklung in Deutschland nutzen.

Erkenntnisse aus Finnland

– Was waren eure wichtigsten Erkenntnisse aus dem Austausch?

Wir haben zahlreiche Erkenntnisse aus dem Austausch mitgenommen. In jedem Spiel wurden wir beobachtet und erhielten ausführliches Feedback von finnischen Beobachtern, die unterschiedliche Perspektiven und konkrete Verbesserungsvorschläge einbrachten. Für Ben war eine der wichtigsten Erkenntnisse, wie entscheidend die richtige Kommunikation ist — im richtigen Moment, mit der richtigen Lautstärke und dem richtigen Tonfall. Ein Satz ist ihm besonders im Gedächtnis geblieben: “Reagiere, bevor der Spieler reagiert.”

Für Jannik war die wichtigste Erkenntnis aus Finnland der psychologische Aspekt. Er erkannte, wie wichtig es ist, nicht zu lange an einzelnen Situationen festzuhalten, sondern sich schnell wieder auf das Spiel zu fokussieren. Außerdem wurde ihm noch bewusster, wie unterschiedlich Spieler sind und wie wichtig es ist, individuell auf sie einzugehen. Jedes Gespräch auf dem Feld erfordert eine neue Anpassung von Präsenz, Wortwahl und Kommunikation — etwas, das er schon immer geschätzt hat, da es jedes Mal eine neue Herausforderung darstellt.

Als Team haben wir außerdem gelernt, unsere Stick Line klarer anzupassen und das Temperament sowie die Emotionen der Spieler effektiver zu managen. Dazu gehört sowohl angemessen im Moment zu reagieren als auch Situationen frühzeitig zu steuern, um Emotionen zu entschärfen oder ein Eskalieren zu verhindern. Neben den technischen Aspekten bleiben vor allem die Eindrücke der unterschiedlichen Floorballkultur, Spielweise und Leidenschaft für den Sport in Erinnerung. Insgesamt war der Austausch ein bedeutender Schritt in unserer Entwicklung als Schiedsrichter — sowohl fachlich als auch persönlich.

– Vielen Dank euch beiden dafür, macht weiter so und viel Erfolg bei allem!

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