Foto: Per Wiklund
Er ist erst 19 Jahre alt – aber bereits Stamm-Schiedsrichter in der Damen-Allsvenskan im Floorball und in der Fußball-Division 5. Lerne Moltas Gunnarsson kennen, ein engagiertes und zielstrebiges Schiedsrichtertalent, das zwei Sportarten, Fitnesstests, Theorie und Spielplanung mit viel Energie und Freude vereint. In diesem Interview erzählt er, wie er Floorball und Fußball miteinander kombiniert, was es braucht, um auf hohem Niveau zu pfeifen – und warum Kommunikationssysteme ein selbstverständlicher Teil seines Alltags auf dem Spielfeld geworden sind.
– Hallo Moltas. Du bist sowohl Floorball- als auch Fußballschiedsrichter, richtig?
– Ganz genau! Diese beiden Sportarten haben mich gepackt. Ich pfeife auch ein bisschen Futsal, meist zum Spaß und bei lokalen Turnieren. Im Fußball bin ich Stamm-Schiedsrichter in der Division 5 und ein Stufe-2-Schiedsrichter, und im Floorball bin ich neu beim Schwedischen Floorballverband. Ich bin dort Stamm-Schiedsrichter in der Damen-Allsvenskan und der Herren-Division 1.
– Du hast eine vielversprechende Zukunft vor dir – du bist erst 19! Wie lange bist du schon Schiedsrichter?
– Ich glaube, ich gehe jetzt in mein fünftes oder sechstes Jahr im Floorball, plus/minus ein bisschen als Vereinsschiedsrichter. Und im Fußball ist es genauso – ich habe mit beidem gleichzeitig angefangen.
– Du hast also schon mit etwa 15 Jahren als Bezirks- oder Seniorenschiedsrichter angefangen. Das ist ziemlich früh, auch weil man da ja keinen Führerschein hat. Wie hast du das geschafft?
– Ja, das ist nicht sehr üblich. Es war ein ziemliches Puzzle, kann ich sagen. Ich muss meinen Eltern wirklich danken, dass sie mich zu allen Spielen gefahren haben – das hat es möglich gemacht. Und es hat sich definitiv ausgezahlt. Ich liebe das Pfeifen!
– Wie klappt es, beide Sportarten zu kombinieren? Klar, in Schweden sind es Sommer- und Wintersportarten. Geht sich das gut aus?
– Ja, auch das ist ein kleines Puzzle – mein Kalender und mein Planungshirn sind meine besten Freunde. Es funktioniert, vor allem wenn sich die Saisons am Anfang oder Ende überlappen. Dann muss man Wettkämpfe gegenüber Trainingsspielen priorisieren. Die Woche hat sieben Tage – mit guter Planung und Motivation ist das machbar.
– Wenn wir uns nun auf Floorball konzentrieren: Wie sieht das Anforderungsprofil für einen Floorball-Schiedsrichter aus?
– Es ist ziemlich anspruchsvoll – das habe ich besonders jetzt gemerkt, wo ich eine Liga aufgestiegen bin. Es gibt sehr klare Vorgaben, dass wir gut planen und organisieren müssen. Es wird auch mehr darauf geachtet, wie wir uns privat präsentieren, da in Schweden viel Medienaufmerksamkeit auf dem Sport liegt. Man muss körperlich fit sein – wir haben zwei bis drei Fitnesstests pro Jahr, die wir bestehen müssen. Einige davon filmen wir heutzutage selbst und reichen sie ein – sie werden streng bewertet. Wenn man durchfällt, verliert man direkt seine Klassifizierung. Dasselbe gilt für die Regeltests. Zusammengefasst: Man muss körperlich fit sein, eine gute Verfügbarkeit zeigen – mindestens an fünf von acht Wochenenden – und die Theorie bestehen. Die Anforderungen sind hoch, und es herrscht ein gesunder Wettbewerb. Trotzdem ist das Miteinander familiär – wir helfen und motivieren uns gegenseitig, um besser zu werden und vor allem, um Spaß beim Pfeifen zu haben.
– Wie sehen eure Fitnesstests aus?
– Wir haben zwei Optionen. Entweder den Cooper-Test, bei dem man für die höchste Liga unter 13 Minuten bleiben muss. Oder den Yo-Yo-Test, bei dem ich aber nicht so vertraut mit den Anforderungen bin. Ich entscheide mich für den Cooper-Test – der liegt mir besser. 
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– Und wie sieht es am Ende einer Saison bei dir aus – kombinierst du dann Spiele mit Training?
– Genau. Ich mache dann eher explosive Trainingseinheiten für Floorball, da wir uns auf kleinen Flächen mit schnellen, kurzen Bewegungen bewegen. Im Fußball ist es eher Ausdauer, wenn man vergleicht. Für mich funktioniert die Kombination sehr gut – beide Sportarten ergänzen sich und ich kann das Training aus der einen auch in der anderen nutzen. Floorball ist auf jeden Fall explosiver. Wenn sich die Saisons überlappen, kombiniere ich Spiele mit der Vorbereitung auf die jeweils andere Sportart.
– Profitierst du in deiner Schiedsrichterrolle davon, beide Sportarten zu pfeifen?
– Im Floorball sind wir den Spielern recht nah – allen Spielern. Im Fußball sind wir vielleicht nur ein paar Spielern nahe. Es gibt im Floorball auch eine Bank und einen technischen Bereich, aber die Kommunikation ist viel... wie soll ich sagen... kompakter. Das bedeutet, dass wir ständig kommunizieren – vor, während und nach Situationen. Das nehme ich mit in den Fußball, und ich merke, dass das sowohl mein Team als auch die Spieler schätzen. Mein Führungsstil ist sehr kommunikationsorientiert – ich kann schnell sprechen und gleichzeitig analysieren. Ich profitiere definitiv davon, beide Sportarten zu pfeifen. Mein Führungsstil hat sich weiterentwickelt. Ich kann besser analysieren, was mein Team sagt, während ich handle.
– Im Fußball geht es u. a. um Nähe und Winkel. Was ist im Floorball der Fokus in Sachen Positionierung?
– Auch da geht es um Nähe und die richtigen Winkel – also ziemlich ähnlich. Im Floorball sind wir allerdings zwei Schiedsrichter, und wir müssen das Spielfeld aufteilen. Das gibt es im Fußball auch, aber dort ist es eher festgelegt. Im Floorball ist es fließender und das Zusammenspiel muss gut funktionieren. Manchmal sehen wir jeweils nur die Hälfte einer Situation – zusammen treffen wir dann die Entscheidung.
– Ist es nicht leicht, sich im Floorball immer im selben Korridor zu verlieren?
– Doch, absolut. Das ist eines der typischen Probleme im Bezirksbereich. Deshalb pfeifen wir meistens in festen Paaren – damit wir uns besser abstimmen und unsere Zonen finden. Kommunikation ist deshalb enorm wichtig – in diesen Grauzonen muss man sich gegenseitig daran erinnern. Ob mit oder ohne Headset – man muss kommunizieren. Sonst bleibt man hängen, wie du sagst. Wenn ich Beobachter hatte, hieß es oft: „Ihr schaut zu viel auf den Ball.“ Man lernt ständig dazu. Man muss lernen, das ganze Spielfeld zu sehen und gut aufzuteilen – zumal es im Floorball wahnsinnig schnell geht.
– Was ist für dich das Beste am Fußball-Schiedsrichtersein?
– Ich habe kürzlich mit ein paar Freunden darüber gesprochen. Fußball ist sehr zugänglich, viele interessieren sich dafür und jeder kann mitspielen. Teil dieser Kultur zu sein, macht richtig Spaß. Ich bin Teil der Fußballfamilie, und es gibt viele Entwicklungsmöglichkeiten – für mich und für andere. Ich war auf einem Sportgymnasium und viele meiner Freunde dort haben erst richtig verstanden, was hinter der Schiedsrichterrolle steckt. Ich bin sehr froh, Teil des Sports zu sein – auch wenn ich selbst kein Fußball spiele. Das ist definitiv das Beste am Fußballpfeifen. 
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– Und beim Floorball? Was ist da das Beste am Schiedsrichtersein?
– Da gilt eigentlich das Gleiche. Die Unterschiede sind nicht riesig. Der Vorteil für mich beim Verband ist, dass man ziemlich nah an der Elite ist. Ich werde stärker in die Elitearbeit eingebunden, spreche mit meinen Vorbildern und kann viel von ihnen lernen. Das ist extrem lehrreich. Bei Kursen sprechen wir über dieselben Dinge – manche Schiedsrichter sind schon lange dabei, aber wir lernen trotzdem voneinander. Das ist ein toller Austausch, der mir sehr viel bringt! Und ich lerne doppelt so viele Menschen kennen, weil ich zwei Sportarten pfeife. Das ist für mich ganz klar das Beste am Schiedsrichtersein – egal in welcher Sportart. Neue Menschen kennenzulernen treibt mich an.
– 19 Jahre alt – oder vielleicht besser: 19 Jahre jung – und du pfeifst schon in der Damen-Allsvenskan. Wir müssen dich wohl als junges, talentiertes Schiedsrichter-Talent einstufen, Moltas. Was sind deine Ziele in der Schiedsrichterrolle?
– Ich bin mir bewusst, dass ich noch jung bin, und ich habe mir vorgenommen, nichts zu überstürzen. Man muss als Schiedsrichter auch Rückschläge erleben und Fehler machen, um sich weiterzuentwickeln. Ich möchte auf jeden Fall irgendwann in die Elite. Dafür muss ich viele Erfahrungen sammeln und viele Spiele leiten. Ich will jede Saison etwas Neues ausprobieren, das mir neue Perspektiven bringt. Es ging bisher schnell für mich, aber ich habe auch viel Unterstützung von Coaches und Beobachtern bekommen – dafür bin ich dankbar. Mit dieser Unterstützung und meinem Ehrgeiz denke ich, dass der Weg in die Elite möglich ist.
– Bevor du auf dem heutigen Niveau angekommen bist – hast du da schon mit Kommunikationssystem gearbeitet? Jetzt nutzt du Refcom II von Spintso.
– Im Floorball wird das immer üblicher, auch auf den unteren Ebenen. Ich habe es viele Male ausprobiert. Immer mehr erkennen, dass es ein echtes Hilfsmittel für uns ist. Man darf die Grundlagen nicht vergessen und muss auch ohne Headset pfeifen lernen – aber wenn man das Ballgucken reduzieren und das Feld besser aufteilen will, ist ein Kommunikationssystem sehr hilfreich. Ich finde, es sollte ein natürlicher Bestandteil von Kursen und Spielanalysen für neue Schiedsrichter werden – damit man es richtig einsetzt, wenn man es ausprobiert. Kommunikationssysteme sind ein Hilfsmittel – keine Störung.
– Und wie findest du Refcom II?
– Dass ich es in zwei Sportarten nutzen kann, bringt viel! Der Unterschied zu meinem früheren System – das nicht besonders gut war – ist riesig. Ich nutze auch ein maßgefertigtes Ohrstück – das ist super angenehm, sitzt gut und stört nicht. Kein Kabelsalat, keine Probleme. Der größte Unterschied ist die Klarheit – ich höre meinen Kollegen deutlich und wir müssen keine Zeit damit verschwenden, die Geräte vor dem Spiel zu koppeln oder währenddessen über Fehler nachzudenken. Wir können unsere Energie auf das Produkt richten, das wir auf dem Spielfeld liefern!
– Danke für das Gespräch, Moltas, und viel Erfolg in deinen Schiedsrichterrollen.

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